Begegnung

Begegnungen
Ich bin ein Tripthychon. Ich hänge einsam an einer nackten Museumswand. Ich sehne mich verzweifelt nach Beachtung und Aufmerksamkeit. Würde am liebsten laut rufen und winken. Alle an mich ziehen. Ich möchte um jeden Preis in Erinnerung bleiben. In der Erinnerung des Betrachters. Auch ein Ausstellungsstück hat ein Herz. Mein Herz schlägt schneller sobald ein Betrachter sich nähert. Sobald ein Betrachter vor mir stehen bleibt.
Eine rothaarige Frau nähert sich bedachtsam und nimmt mich wahr. Ihre Schritte werden langsamer und ich fühle ihren Blick auf mich gerichtet. Ich kann ihr Interesse spüren.
Ich schaue sie anflehend an. Ich hoffe, sie lässt mich nicht sterben. Wenn ich in Vergessenheit gerate, dann existiere ich nicht mehr. Unsere Augen begegnen sich zum ersten Mal. Mein Herz hämmert kräftig gegen meine Brust. Ich befürchte, mein Zittern wird sichtbar.
Was macht die Betrachterin aus mir? Wie bleibe ich in ihrer Erinnerung? Was geht in dem Kopf der jungen Frau vor? Wird sie sich in einem Jahr an mich erinnern?
Leider werde ich keine Antworten zu meinen Fragen erhalten. Ein Triptychon darf nicht mit einem Museumsbesucher sprechen. Leider ist das verboten. Aber ich werde ihren Gesichtsausdruck für immer in Gedanken behalten. Ich werde die rothaarige Frau nicht vergessen.

This entry was posted in conceptual, photography and tagged , , , , , . Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *